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Each-Way Wetten Strategie beim Pferderennen

Each-Way-Wetten sind der Schweizer Taschenmesser unter den Pferdewetten – vielseitig, praktisch und oft unterschätzt. Während Anfänger meist zwischen Sieg- oder Platzwette schwanken, nutzen erfahrene Wetter Each-Way gezielt für Situationen, in denen weder das eine noch das andere optimal ist. Diese Wettart kombiniert das Gewinnpotenzial der Siegwette mit der Absicherung der Platzwette. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch – zumindest teilweise. Denn Each-Way hat Tücken, die Sie kennen sollten, bevor Sie Ihr Geld darauf setzen.

Der größte Vorteil von Each-Way liegt in der psychologischen Komponente. Sie müssen nicht mit angehaltenem Atem auf einen Last-Second-Sieg hoffen. Selbst wenn Ihr Pferd „nur“ Dritter wird, bekommen Sie etwas zurück. Diese Teilabsicherung macht Each-Way besonders für Anfänger attraktiv, die noch keine Nerven aus Stahl haben. Gleichzeitig bleibt das volle Gewinnpotenzial erhalten, falls das Pferd tatsächlich siegt. Die Kunst liegt darin zu wissen, wann Each-Way Sinn macht und wann Sie damit Geld verschwenden.

Definition: Was genau ist eine Each-Way-Wette?

Eine Each-Way-Wette ist technisch gesehen keine einzelne Wette, sondern zwei separate Wetten in einem Paket. Sie setzen beispielsweise 10 Euro Each-Way – das bedeutet, Sie platzieren tatsächlich zwei Wetten: 10 Euro auf den Sieg des Pferdes und 10 Euro auf eine Platzierung. Ihr Gesamteinsatz beträgt also 20 Euro, nicht 10 Euro. Dieser Punkt führt regelmäßig zu Verwirrung bei Anfängern, die denken, sie hätten nur 10 Euro gesetzt.

Gewinnt Ihr Pferd das Rennen, zahlen beide Wettteile aus: Die Siegwette zum vollen Quoten und die Platzwette zu einem Bruchteil davon. Wird Ihr Pferd nur Zweiter, Dritter oder (je nach Feldgröße) Vierter, verlieren Sie die Siegwette, aber die Platzwette zahlt aus. Landet Ihr Pferd auf Platz fünf oder schlechter, verlieren Sie beide Wetten und damit Ihre gesamten 20 Euro.

Die Platzwette zahlt üblicherweise ein Viertel oder ein Fünftel der Siegquote aus, abhängig von der Anzahl der Starter und den Bedingungen des Buchmachers. Bei acht bis fünfzehn Startern sind es meist ein Fünftel der Siegquote für die ersten drei Plätze. Bei größeren Feldern (16+ Starter) manchmal ein Viertel für die ersten vier Plätze. Diese Verhältnisse sind nicht universell – prüfen Sie immer die spezifischen Bedingungen Ihres Anbieters.

Die Mathematik hinter Each-Way

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Sie setzen 10 Euro Each-Way (Gesamteinsatz 20 Euro) auf ein Pferd mit Siegquote 8,0. Die Each-Way-Bedingungen sind 1/5 der Quote für die ersten drei Plätze. Wenn Ihr Pferd gewinnt, passiert Folgendes: Die Siegwette zahlt 10 Euro × 8,0 = 80 Euro aus. Die Platzwette zahlt 10 Euro × 2,4 (berechnet als (8,0-1)/5+1) = 24 Euro aus. Ihre Gesamtauszahlung beträgt 104 Euro bei 20 Euro Einsatz – ein Nettogewinn von 84 Euro.

Wird Ihr Pferd nur Zweiter oder Dritter, zahlt nur die Platzwette aus: 24 Euro bei 20 Euro Einsatz. Sie machen also 4 Euro Gewinn, statt alles zu verlieren. Das ist der Sicherheitsaspekt von Each-Way – Sie bekommen bei einer Platzierung nicht nur einen Teil Ihres Einsatzes zurück, sondern bei ausreichend hohen Quoten sogar einen kleinen Gewinn. Je höher die Quote, desto besser funktioniert diese Absicherung.

Bei niedrigen Quoten kollabiert die Each-Way-Logik. Angenommen, Sie setzen auf einen Favoriten mit Quote 2,0. Die Platzquote wäre dann nur 1,2 (berechnet als (2,0-1)/5+1). Selbst wenn das Pferd platziert wird, bekommen Sie bei 20 Euro Einsatz nur 12 Euro zurück – ein Verlust von 8 Euro. Hier macht Each-Way keinen Sinn; eine reine Siegwette oder das Überspringen des Rennens wären klüger.

Wann macht Each-Way Sinn?

Each-Way ist am attraktivsten bei mittleren bis hohen Quoten – idealerweise zwischen 5,0 und 15,0. In diesem Bereich ist die Platzquote noch hoch genug, um bei einer Platzierung Ihren Verlust zu minimieren oder sogar einen kleinen Gewinn zu erzielen. Gleichzeitig ist das Gewinnpotenzial bei einem Sieg substanziell.

Ein klassisches Each-Way-Szenario: Sie haben ein Pferd identifiziert, das Sie für stark halten, aber nicht stark genug für eine überzeugte Siegwette. Das Pferd läuft konstant unter den ersten drei, gewinnt aber selten. Hier ist Each-Way perfekt – Sie sichern sich gegen die wahrscheinliche Platzierung ab, haben aber trotzdem die Chance auf den vollen Gewinn, falls es diesmal klappt.

Each-Way funktioniert auch gut in großen, unübersichtlichen Feldern. Bei 16 oder 20 Startern ist es schwierig, den Sieger präzise zu identifizieren. Eine Each-Way-Wette auf zwei oder drei aussichtsreiche Pferde gibt Ihnen mehrere Chancen. Selbst wenn keines gewinnt, können Platzierungen Ihre Verluste begrenzen. Diese Streustrategie ist defensiv, aber für Rennen mit hoher Unvorhersehbarkeit durchaus sinnvoll.

Wann Sie Each-Way meiden sollten

Bei klaren Favoriten mit Quoten unter 3,0 ist Each-Way meist Geldverschwendung. Die Platzquote ist so niedrig, dass Sie selbst bei einer Platzierung deutlich im Minus sind. Entweder Sie trauen dem Favoriten den Sieg zu – dann setzen Sie eine reine Siegwette – oder Sie lassen das Rennen aus.

Auch bei extremen Außenseitern mit Quoten über 20,0 ist Each-Way fragwürdig. Zwar wäre die Platzquote attraktiv (vielleicht 5,0 oder 6,0), aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein 20,0-Außenseiter überhaupt platziert wird, ist gering. Hier verdoppeln Sie einfach Ihr Risiko. Wenn Sie an den Außenseiter glauben, setzen Sie eine reine Siegwette mit kleinerem Einsatz – das Risiko-Ertrags-Verhältnis ist besser.

In kleinen Feldern (weniger als acht Starter) zahlen viele Anbieter Each-Way nur auf die ersten zwei Plätze aus, manchmal sogar nur auf den Sieger. Prüfen Sie die Bedingungen! Eine Each-Way-Wette, die nur bei Sieg oder zweitem Platz etwas bringt, ist kaum besser als eine reine Siegwette, kostet aber den doppelten Einsatz.

Each-Way-Bedingungen verstehen

Nicht alle Each-Way-Wetten sind gleich. Die Bedingungen variieren je nach Anbieter, Rennen und Feldgröße. Die wichtigsten Parameter sind: Welcher Bruchteil der Siegquote wird für die Platzwette ausgezahlt (1/4 oder 1/5)? Und auf wie viele Plätze zahlt die Wette aus (zwei, drei oder vier)?

Ein Beispiel für unterschiedliche Bedingungen: Anbieter A zahlt 1/5 der Quote für die ersten drei Plätze bei acht Startern. Anbieter B zahlt 1/4 der Quote für die ersten drei Plätze beim gleichen Rennen. Bei einer Siegquote von 10,0 wäre die Platzquote bei A 2,0, bei B aber 2,5 – ein signifikanter Unterschied. Wenn Sie Each-Way-Wetten platzieren, vergleichen Sie die Bedingungen verschiedener Anbieter.

Manche Buchmacher bieten bei großen Rennen erweiterte Each-Way-Bedingungen an. Zum Beispiel: Zahlung auf die ersten fünf statt drei Plätze, oder 1/4 statt 1/5 der Quote. Diese Sonderaktionen sind oft ein Marketing-Trick, können aber echten Mehrwert bieten. Achten Sie auf solche Angebote, besonders bei prestigeträchtigen Events wie dem Grand National oder Royal Ascot.

Strategie: Each-Way gezielt einsetzen

Professionelle Wetter nutzen Each-Way nicht als Standard, sondern als taktisches Werkzeug. Eine bewährte Strategie: Identifizieren Sie drei bis fünf Pferde in einem Rennen, die Sie für aussichtsreich halten, aber bei keinem sind Sie sich sicher genug für eine reine Siegwette. Setzen Sie auf alle Each-Way mit kleinen Einsätzen.

Angenommen, Sie setzen auf vier Pferde jeweils 5 Euro Each-Way (Gesamteinsatz 40 Euro). Wenn eines gewinnt und zwei weitere platziert werden, holen Sie Ihren Einsatz zurück und machen vielleicht sogar Gewinn. Diese Streustrategie funktioniert besonders bei Handicap-Rennen mit ausgeglichenem Feld, wo mehrere Pferde realistische Siegchancen haben.

Eine andere Taktik: Kombinieren Sie eine überzeugte Siegwette mit defensiven Each-Way-Wetten. Sie setzen 10 Euro Siegwette auf Ihren Top-Favoriten und jeweils 3 Euro Each-Way auf zwei Backups. Falls Ihr Favorit patzt, aber ein Backup platziert wird, minimieren Sie den Verlust. Diese Hybridstrategie balanciert Überzeugung mit Absicherung.

Each-Way und Feldgröße: Die versteckte Variable

Die Anzahl der Starter beeinflusst massiv, wie attraktiv Each-Way ist. Bei fünf Startern zahlen die meisten Anbieter nur auf zwei Plätze aus – Ihre Gewinnchance für die Platzwette steigt von 20% (Siegwette) auf 40%. Bei zwanzig Startern zahlen manche Anbieter auf vier Plätze aus – Ihre Gewinnchance steigt von 5% auf 20%. Die prozentuale Verbesserung ist im zweiten Fall höher.

Als Faustregel: Each-Way wird attraktiver, je größer das Feld ist, vorausgesetzt die Anzahl der ausgezahlten Plätze steigt mit. Bei kleinen Feldern (unter acht Starter) sind reine Sieg- oder Platzwetten meist besser. Bei mittleren Feldern (acht bis fünfzehn Starter) ist Each-Way eine echte Option. Bei großen Feldern (16+ Starter) glänzt Each-Way, besonders wenn auf vier oder mehr Plätze ausgezahlt wird.

Beachten Sie aber auch die Kehrseite: In sehr großen Feldern wird es schwieriger, überhaupt ein Pferd zu identifizieren, das platziert wird. Ein 20-Pferde-Rennen mag theoretisch bessere Each-Way-Bedingungen bieten, aber wenn Sie das falsche Pferd wählen, hilft Ihnen das nicht. Größere Felder erfordern gründlichere Analyse.

Each-Way bei speziellen Renntypen

Bei Hindernisrennen ist Each-Way besonders sinnvoll. Die zusätzlichen Risiken (Stürze, Fehler an Hindernissen) machen Vorhersagen unsicherer. Selbst ein favorisiertes Pferd kann durch einen einzigen Fehler ausscheiden. Mit Each-Way sichern Sie sich ab: Wenn Ihr Tipp fehlerfrei durchkommt und platziert wird, haben Sie zumindest teilweise gewonnen.

Bei Maidenrennen (für Pferde ohne bisherigen Sieg) ist Each-Way ebenfalls interessant. Diese Rennen sind schwer zu analysieren, da es wenig Formdaten gibt. Die Unvorhersehbarkeit macht reine Siegwetten riskant. Each-Way-Wetten auf mehrere vielversprechende Debütanten streuen das Risiko und erhöhen Ihre Chancen, zumindest etwas zurückzubekommen.

Bei Group-Rennen (Elite-Events) kann Each-Way eine kluge Wahl sein, wenn Sie einen Underdog identifiziert haben, der gegen die Topfavoriten antritt. Er wird wahrscheinlich nicht gewinnen, könnte aber durchaus Dritter werden. Die hohe Quote des Underdogs macht die Platzquote attraktiv genug, um Each-Way zu rechtfertigen.

Häufige Each-Way-Fehler vermeiden

Fehler Nummer eins: Den doppelten Einsatz vergessen. Anfänger denken oft, eine 10-Euro-Each-Way-Wette kostet 10 Euro. Tatsächlich sind es 20 Euro. Diese Verwechslung kann Ihr Budget schneller auffressen als geplant. Kalkulieren Sie immer mit dem vollen Betrag.

Fehler Nummer zwei: Each-Way bei ungeeigneten Quoten. Wie erwähnt, macht Each-Way bei Favoriten unter 3,0 oder extremen Außenseitern über 20,0 meist keinen Sinn. Trotzdem sieht man immer wieder Wetter, die reflexartig Each-Way setzen, ohne die Mathematik zu prüfen. Rechnen Sie vorher durch, was Sie bei Sieg und bei Platzierung bekommen würden.

Fehler Nummer drei: Each-Way-Bedingungen nicht prüfen. Sie setzen Each-Way auf ein Rennen mit sieben Startern, in der Annahme, die ersten drei Plätze werden ausgezahlt. Tatsächlich zahlt Ihr Anbieter bei sieben Startern nur auf zwei Plätze aus. Ihr Pferd wird Dritter – Sie gehen leer aus. Immer die spezifischen Bedingungen checken!

Each-Way im Totalisator vs. Festquoten

Im Totalisator-System funktioniert Each-Way etwas anders. Die Platzquote steht erst beim Rennstart fest, nicht bei Ihrer Wettabgabe. Das bedeutet: Sie wissen nicht genau, was Sie im Fall einer Platzierung bekommen. Die Quote kann sich noch zu Ihren Gunsten oder Ungunsten verändern.

Bei Festquoten wissen Sie exakt, was Sie bei Sieg oder Platzierung erhalten – die Quoten sind beim Wettabschluss fixiert. Diese Planbarkeit bevorzugen viele Wetter. Allerdings bietet der Totalisator manchmal bessere Platzquoten bei Außenseitern, weil weniger Geld auf diese gesetzt wird.

Welches System ist besser für Each-Way? Pauschal lässt sich das nicht sagen. Bei Favoriten sind Festquoten oft vorteilhafter, da Sie sich eine akzeptable Quote sichern können. Bei Außenseitern kann der Totalisator höhere Platzquoten bieten. Profis nutzen beide Systeme situativ.

Each-Way als Lernwerkzeug

Für absolute Anfänger ist Each-Way mehr als nur eine Wettart – es ist ein Lernwerkzeug. Mit Each-Way können Sie experimentieren, ohne sofort Totalverluste zu erleiden. Sie entwickeln ein Gefühl dafür, welche Pferde konstant platziert werden, auch wenn sie nicht gewinnen. Diese Erkenntnis hilft Ihnen später, bessere reine Sieg- oder Platzwetten zu platzieren.

Nach einigen Dutzend Each-Way-Wetten werden Sie Muster erkennen: Bei welchen Quoten funktioniert Each-Way gut? Bei welchen Renntypen? Welche Pferde sind typische Each-Way-Kandidaten? Diese Erkenntnisse transferieren sich auf Ihre gesamte Wettstrategie. Betrachten Sie Each-Way als Trainingswerkzeug, nicht als permanente Lösung.

Langfristig sollten Sie den Anteil von Each-Way reduzieren und gezielter reine Sieg- oder Platzwetten setzen. Each-Way ist ein Kompromiss – und Kompromisse sind selten optimal. Aber auf dem Weg dorthin ist Each-Way ein wertvoller Begleiter, der Ihnen Sicherheit gibt, während Sie lernen.

Der Each-Way-Paradox: Warum Sie es nicht übertreiben sollten

Hier ist das Paradox: Each-Way reduziert zwar Ihr Risiko pro einzelner Wette, aber weil Sie den doppelten Einsatz zahlen, riskieren Sie insgesamt mehr Kapital. Wenn Sie fünf Each-Way-Wetten á 10 Euro platzieren, haben Sie 100 Euro riskiert, nicht 50 Euro. Dieses versteckte Risiko akkumuliert sich schnell.

Zudem verleitet Each-Way zu nachlässiger Analyse. „Ach, selbst wenn es nicht gewinnt, bekomme ich bei einer Platzierung etwas zurück“ – diese Denkweise führt zu schlechteren Wettentscheidungen. Sie setzen auf Pferde, von denen Sie nicht wirklich überzeugt sind, nur weil Each-Way die scheinbare Sicherheit bietet.

Die Lösung: Verwenden Sie Each-Way bewusst und selektiv. Nicht als Default-Option, sondern als taktisches Instrument für spezifische Situationen. Definieren Sie klare Kriterien: Nur bei Quoten zwischen X und Y, nur bei bestimmten Renntypen, nur wenn Sie zwischen Sieg und Platzierung unentschieden sind. Disziplin macht den Unterschied zwischen Each-Way-Nutzer und Each-Way-Abhängigen.

Von Experten geprüft: Lukas Baumann